Eltern-Kind-Singen

In den „Orff Schulwerk Informationen“ Nr. 82, Winter 2009:

Ernst Waldemar Weber (Hrsg.): Eltern-Kind-Singen

Verlag ceterum censeo Muri, 2009, ISBN 978-3-0333-01955-3, www.ceterum-censeo.ch

Klein, aber fein, das vorliegende Bändchen mit dem programmatischen Titel „Eltern-Kind-Singen“, in gerade einmal DIN A5 Grösse, hat es in sich!

Wer indes beim Anblick des animierenden Coverfotos, einer fröhlich singenden Mutter mit ihrem strahlenden Kind eine umsetzbare Praxishilfe erwartet, wird sich mit einiger Verblüffung einer ganz anderen Thematik gegenübergestellt sehen: der Durchdringung des Themenkomplexes „Eltern-Kind-Singen“ aus der Sicht namhafter Forscher der Pädagogik, der Neurowissenschaften, der Psychologie und Psychiatrie, sowie erfahrener Leiterinnen des Singens mit kleinen bis allerjüngsten Kindern.

Der Schweizer Pädagoge Ernst Waldemar Weber, Autor vieler Publikationen zu schulrelevanten und musikbezogenen Fragen, hat 1999 die Schweizer Gesellschaft „Eltern-Kind-Singen“ ins Leben gerufen, einer Initiative mit offenbar grosser Resonanz und Breitenwirkung in seinem Land (www.eltern-kind-singen.ch).

Nun liegt von ihm als Herausgeber und Mitautor das vorliegende Bändchen gleichen Titels vor. Dessen Lektüre ist wärmstens zu empfehlen. Denn es ist zu hoffen, dass diese Schweizer Pionierarbeit mit dazu beitragen wird, auf dem genannten, so notwendigen Aktionsfeld auch in andern europäischen Ländern Initiativen solcher Art zu setzen!

Wohlverstanden nicht etwa im Sinne staatlich gelenker oder marktgesteuerter Förderprogramme, sondern eben ein in aller spielerischer Vielfalt zu pflegendes intuitives Singen als eine Art Seelennahrung für Mutter und Kind. Wie substantiell entwicklungsfördernd sich das Singen und Spielen bereits für und mit den Kindern von Geburt an (und davor!) erweist, wird uns beim Lesen der Beiträge aus den jeweiligen Fachdisziplinen sonnenklar.

Sehr anschaulich und informativ beschreibt Isabella Steffen -Meister, die eigentliche Pionierin dieser Arbeit ihre Unterrichtspraxis, deren Struktur, Inhalte und Wirkungsweisen, aber auch Ausbildungsmodi für Lernbegleiterinnen. (Man kann gespannt sein auf ihre demnächst erscheinende Publikation „Musik von Anfang an“).

Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Beiträge aus den genannten Forschungsergebnissen. Die in meinen Augen wichtigsten seien hier zitiert: Hellmuth Petsche: „Eltern-Kind-Singen, Betrachtungen eines Neuropsychologen“, Lutz Jäncke: „Singen als menschliche Kulturleistung“, Hanuš Papoušek: „Spiel in der Wiege der Menschheit“ und nicht zuletzt das spannende Interview mit Dr. Joachim Bauer über die „Spiegelneurone“: die jüngste Entdeckung eines neurologischen Phänomens in seiner Auswirkung auch auf die musikalische Entwicklung des klein(st)en Kindes.

Dass man in diesem Kompendium auch auf Heinrich Pestalozzi stösst, der vor ca. 200 Jahren bereits Wesentliches zu unserem Thema auf berührende Weise zu sagen wusste, und dass zu guter Letzt auch eine Hebamme mit ihren positiven Erfahrungen des Singens mit Schwangeren zu Wort kommt, spricht für eine umsichtige und sensible Themenzusammenstellung des Herausgebers.                                       Christiane Wieblitz

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